Fehlalarm: Die Nervensägen vom Notruf (25. März)
Sie nerven ohne Ende. Rund um die Uhr, Tag und Nacht. Sie fragen nach der Zeit. Nach einer günstigen Zugverbindung. Sie
pöbeln rum. Sie geben falschen Alarm. Manchmal legen sie auch einfach nur wieder auf. Wenn in den Einsatzleitstellen von
Polizei und Feuerwehr der Notruf blinkt, steckt dahinter nicht immer ein Einsatz, sondern zuweilen auch ein schlechter
Scherz. Notrufmissbrauch. Kein Spaß für den, der über Einsätze entscheiden muss. „Manchmal“, klagt ein Polizist, „ist es
die reinste Seuche.“
Dabei war alles so gut gemeint gewesen. Es gab bundesweite Sammelaktionen, nach denen ausgemusterte Mobilfunkgeräte als
mobile Notrufsäulen bevorzugt an Senioren verschenkt wurden. Jederzeit und überall, so die dahinter stehende Idee, sollte
es ihnen ermöglicht werden, um Hilfe zu rufen. Simkartenfrei – also ohne Vertrag. Per Gesetz wurden die Telefonnetzbetreiber
verpflichtet, das technisch zu ermöglichen.
Doch die Sache ging derartig nach hinten los, dass der Gesetzgeber jetzt die Reißleine riss. Ohne Karte nämlich ließ sich
kein Anrufer lokalisieren – und das hätten hunderte Dienststellen bundesweit liebend gern gemacht. „99,9 Prozent der über
diese Telefone eingehenden Notrufe sind Fehlalarme“, sagt Carsten Herzog, Chef der Flensburger Berufsfeuerwehr. Zu seiner
Erleichterung wird damit bald Schluss sein. „Die Notrufverordnung ist wieder geändert worden. Die Telefongesellschaften
müssen ihre Technik nur noch umstellen.“
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