Rettungskräfte nur mangelhaft untergebracht (5. Oktober)
(Husumer Nachrichten) „Die Rettungswachen in Husum und in Niebüll erhalten einen Anbau.“ Hinter diesem lapidar
formulierten Antrag zur jüngsten Kreistagssitzung steckt allerdings das Potenzial einer gewaltigen Sprengkraft. „Eine
Erweiterung durch einen Anbau ist zwingend notwendig“, heißt es in der Verwaltungsvorlage für den Kreistag. Vorausgegangen
waren Überprüfungen an beiden Standorten. Und sie brachten an den Tag, dass für die 35 Mitarbeiter an der Husumer
Rettungswache (Schleswiger Chaussee), die zum Teil im Schichtdienst arbeiten, nur drei Ruhe- und Umkleideräume zur Verfügung
stehen – und das auf knapp 30 Quadratmetern. Die bisherigen sanitären Anlagen und die Umkleideräume lassen ebenfalls zu
wünschen übrig, so das Fazit der Untersuchungen, die schon im vergangenen Jahr vorgenommen wurden.
Mit dem Anbau für die Husumer Rettungswache sollen fünf weitere Ruheräume sowie größere sanitäre Anlagen nebst Umkleideräume
auf 70 Quadratmetern geschaffen werden. Des Weiteren ist vorgesehen, im Erdgeschoss eine Zentral-Apotheke einzurichten. Dort
sollen medizinisches Material und Medikamente für den Einsatz gelagert werden. Zu allem Überfluss ist noch ein
Wasserrohrbruch hinzugekommen, der die Arbeit in der Husumer Rettungswache unmöglich machte (wir berichteten). Frühestens
Mitte Oktober können die Rettungsassistenten ihr „Asyl“ in der Julius-Leber-Kaserne verlassen und wieder in die Schleswiger
Chaussee zurückkehren.
In Niebüll muss noch mehr passieren. „Die jetzige Situation ist nicht länger haltbar“, heißt es in einem Schreiben aus der
Verwaltung. Personal und Fahrzeugbestand dieser Rettungswache müssen aufgestockt werden. Außerdem sind drei zusätzliche
Stellplätze, eine Geräte-Desinfektion und Umkleidekabine sowie Duschen und Ruheräume notwendig. Hinzu kommen erhebliche
Umbauarbeiten (Sanierung Heizung, Fußböden und Garagentore). Derzeit sieht es in Niebüll so aus, dass sich die männlichen
Rettungsassistenten in einem Baucontainer umziehen. Aufenthaltsräume und Büros sind zu Ruheräume umfunktioniert. Die
Geschlechtertrennung in den sanitären Anlagen ist so gut wie nicht möglich. „Werden die Maßnahmen nicht zeitnah begonnen,
droht sogar eine Schließung der Rettungswache in Niebüll wegen gravierender arbeitssicherheitsrechtlicher Mängel“, schreibt
Landrat Dieter Harrsen der Politik ins Stammbuch.
Verwaltung und Politik sind sich zwar in der Sache einig, noch aber nicht über den Weg. Während der Gesundheitsausschuss den
Bauvorhaben zugestimmt hat, ergab Stimmengleichheit im Finanz- und Bauausschuss ein Nein. Aber auch die Verhandlungen
zwischen den Kostenträgern – Krankenkassen und dem Kreis – sind noch nicht abgeschlossen. Doch trotz unterschiedlicher
Meinungen geht es jetzt vorwärts. Das Bauantragsverfahren läuft bereits, und noch in diesem Jahr soll an beiden Standorten
mit dem Bau begonnen werden. Damit geht der Kreis in finanzielle Vorleistung. „Wir sind aber guter Dinge, dass wir die
Verhandlungen in Kürze erfolgreich abschließen können“, war aus dem Kreishaus zu hören.